Geschichtsweg Offnadingen

Heilig-Kreuz-Kirche


Wahrzeichen des Dorfes Offnadingen ist die Heilig-Kreuz-Kirche im Südwesten des Dorfplatzes. Ursprünglich handelte es sich wohl um eine kleinere Kirche, da sie über Jahrhunderte hinweg stets als Heiligkreuzcapell bezeichnet wurde. Vermutlich wurde sie schon im Mittelalter vom Ortsadel gestiftet. Das heutige Erscheinungsbild geht auf einen Erweiterungsbau aus dem Jahr 1766 zurück. Gegenüber der Kirche befindet sich das älteste Schulhaus des Dorfes. Es wurde im Jahr 1814 errichtet.


Als das Kloster St. Blasien die Herrschaft Staufen übernahm, stellte man fest, dass es die Nothdurfft erforderet, die sehr ruinose Hl. Creütz Capell […] zu vergrössern.
Dazu wurde der Ehrenstetter Maurermeister Michel Kerber engagiert, mit dem man beim Amtmann in Staufen am 5. Dezember 1765 einen Accord abschloss. Dieser liest sich wie ein modern anmutender „Generalunternehmer“-Vertrag, denn Maurermeister Kerber baute „schlüsselfertig“ zu einem Festbetrag. Er sollte zunächst die alte Capellen, jedoch ohne den Turm, als welcher annoch für guet und dauerhafft erachtet wird, bis auf das Fundament abbrechen, danach den Platz räumen und dann die ganze Cappellen auß dem Fundament bis unter das Tach daur- und wehrhafft […] aufführen. Maurermeister Kerber hatte zudem die Verantwortung für den Dachstuhl, für alle Zimmermanns-, Schreiner-, Schmied- Schlosser-, Glaser- und Steinhauerarbeiten. Alles Material gehe auf seine Kosten, so steht es im Vertrag, lediglich Holz für das Gerüst solle ihm auf den Platz ohnentgeltlich gefiehret werden.
Er hatte Anrecht auf vier Stuckh Sägbäume, die er selbst sägen lassen musste. Falls er mehr Holz brauchen sollte – freilich sollte alles von aichenem Holtz gemacht werden –, hatte er es selbst anzuschaffen oder zu erkauffen. Schließlich hatte er die ganze Kirchen innen und aussen sauber und gueth […] zu verbutzen. Der vereinbarte Festpreis in Höhe von 1.150 Gulden werde ihm in drei Abschlägen ausbezahlt, daserste Drittel zu Beginn, das zweite nach der Hälfte der Arbeit und das dritte Drittel nach vollkommen und zu Vergnügen hergestelleter neüen Cappellen und also in die Hand übergebene Schlissel. Man ließ drei Ausfertigungen des Accordbrieffs herstellen, eine für den Maurermeister, eine für das Amt, die dritte legte man in die Laden, also den Tresor der Heilig-Kreuz-Kapelle, aus dem die Rechnung zu begleichen war. Die Offnadinger Kirche ist also bis auf die Kunstwerke im Innenraum „aus einer Hand“ gefertigt. Das Bild des Hochaltars stammt wie auch in Kirchhofen von dem in der Region bedeutenden Barockmaler Simon Göser (1735-1816).

Die Seelsorge in der Filialkirche Offnadingen versahen die in Kirchhofen residierenden Priester und Kapläne. Dabei bestand offenbar eine enge Verbindung zwischen Filiale und „Mutterkirche“. Die Heiligenpflege der Kreuzkapelle, das „Kapellengut“ nahm Zinsen aus Kapital und Lehengütern ein und scheint nicht ganz unvermögend gewesen zu sein. Fünf Monate nach Abschluss des Bauvertrags, vermutlich also noch während der Bauarbeiten in Offnadingen, am 21. Mai 1766, bewilligte seine Hochfürstliche Gnaden der Abt von St. Blasien einen Antrag der Administratoren von Kirchhofen. Danach sollte sich die Kapell zu Offnatingen mit 500 Gulden an der Aufstellung von Altären und deren Ausziehrung […] in der Pfarrkirch zu Kirchhofen beteiligen. Dies geschehe zur Ehr Gottes, heißt es in dem entsprechenden Schreiben, und auch mehrerer Beförderung der dasigen Wallfarth.

Schon im Jahr 1808 gab es in der Offnadinger Kirche einen Kirchenchor, denn in der Heiligenpflegerechnung der Kreuzkapelle wurde ein musikalisches Amt finanziert. Dirigent war Konrad Steinle, der erste Lehrer im Dorf. Immer wieder tauchen in der Rechnung kleinere Ausgaben auf, beispielsweise für die Kirchenmusikanten oder für eine kleine Belohnung für die hiesigen Sänger und Sängerinnen … für ihre durch das ganze Jahr hindurch mit dem Singen habende Mühe“.

Das Schulhaus


Ende des 18. Jahrhunderts, im Jahr 1789 gab es erstmals eine Schule in Offnadingen, aus dem Jahr 1809 gibt es sogar Zahlen. Damals wurden 14 Jungs und 18 Mädchen unterrichtet. Allerdings gab es noch kein richtiges Schulhaus, sondern der Unterricht fand im Haus des Lehrers statt. 1814 baute man in Offnadingen auf dem Dorfplatz gegenüber der Kirche ein eigenes Schulhaus. Der erste Lehrer im Dorf war Konrad Steinle, er war jahrzehntelang im Dienst. Neben dem Schulunterricht hatte er auch den Mesnerdienst zu verrichten, außerdem war er Organist und dirigierte den Kirchenchor.

In Baden hatten die Bezirksämter immer wieder Ortsbereisungen durchzuführen, bei denen die Infrastruktur besichtigt und beurteilt wurde. Aus dem Jahr 1850 erfahren wir aus dem Ortsbereisungsprotokoll, dass das Schulhaus in untadelhaftem Zustand sei, die nötigen Schulrequisiten vorhanden seien und die Schüler regelmäßig zur Schule kämen.

Allerdings, so heißt es darin, habe man es auffallend gefunden, dass sich ein Schnappsgeruch im Schulzimmer verbreitete, als man die Schule besuchte und dass der Lehrer, obgleich es noch nicht 8 Uhr morgens ist, nach Schnapps riecht. Offenbar hat man sich daraufhin mit Bürgermeister Steinle in Verbindung gesetzt, der den Befund bestätigte und angegeben habe, dass dies nach dem Hörensagen oftmals der Fall sei. Ob dies allerdings Konsequenzen für den „schnapstrinkenden“ Lehrer hatte, ist in dem Protokoll nicht vermerkt. Lediglich wurde angemerkt, dass die Abtritte unreinlich vorgefunden wurden. Deshalb wurde, so heißt es weiter, der Bürgermeister angewiesen, dafür zu sorgen, dass sie reinlicher gehalten werden.

Um die Jahrhundertwende gab es Beanstandungen, weil der Lehrer in der Schülertoilette Schweinestreu lagerte, jedenfalls gab es um diese Zeit auch am Gebäude Renovierungsbedarf. Zunächst beschloss der Gemeinderat eine „Hauptausbesserung“ und man brachte einen Anbau an das bestehende Gebäude an. Allerdings wurde das Schulhaus mit der Zeit zu klein und entsprach nicht mehr den Vorschriften, also entschloss man sich zu einem Neubau. Die finanzielle Situation der Gemeinde war gut. Im Protokoll heißt es, sie gehöre „zu den wohlhabendsten Gemeinden im Bezirk“, außerdem wurde ein außerordentlicher Holzhieb eingeplant und so konnte das neue Schulhaus an der Straße nach Biengen in den Jahren 1913/1914 gebaut werden. Die Schule blieb bis 1968 in Betrieb. Danach gingen die Offnadinger Schüler nach Kirchhofen und Ehrenstetten zur Schule.